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Food Revolution Day gegen das Übergewicht

Die Journalistin Doris Neubauer hat mich zu meiner Intention und Motivation für die FOOD REVOLUTION 2015 befragt … warum die Kinder immer dicker werden und wie man das Schulsystem brechen kann… Hier geht´s zum Artikel!

Und hier gleich zum Nachlesen:

Von einer “Übergewichts-Krise enormer Ausmaße“ . spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anlässlich des Europäischen Kongresses zu Übergewicht in Prag. Eine Krise, die auch vor Kindern nicht Halt macht. Im Gegenteil: Mehr als 42 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind weltweit bereits übergewichtig oder gar fettsüchtig. Es sind erschreckende Zahlen, gegen die etwas unternommen werden muss – findet jedenfalls der britische Starkoch und Vierfach-Vater Jamie Oliver. Mit seiner Aktion “Food Revolution Day”, der am 16. Mai zum mittlerweile dritten Mal auch in Wien stattfindet, will er Kindern wieder einen gesunden Umgang mit Lebensmittel und vitaminreicher Ernährung zeigen. Ein Anliegen, das die Kochbuch-Autorin und Mit-Besitzerin des Wiener Bio-Ladens “BioWerkstatt” Michaela Russmann nur unterstreichen kann. Sie engagiert sich als offizielle Botschafterin des Food Revolution Day in Wien, die Ernährungsweise von Kindern zu revolutionieren – nicht nur am 16. Mai:

Michaela, mit deinem Unternehmen “Rohgenuss”, das unter anderem Workshops und Kochseminare für vegane, rohe Küche anbietet, bist du als offizielle Botschafterin von Jamie Olivers Aktion zum 3. Mal mit dabei. Warum hast du dich entschieden, mitzumachen?

Mir hat die Idee sofort zugesagt. Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule und danach oftmals noch im Hort. Gesunde Ernährung ist in unseren Schulen leider noch nicht angekommen – bis auf einzelne Projekte, die jedoch nicht fix in den täglichen Schulalltag integriert warden. Und ich finde es großartig, wenn man jemand wie Jamie Oliver als Verstärkung hat, weil Kinder eben unsere Zukunft sind. Wir brauchen starke, gesunde und vitale Kinder.
Natürlich bin ich auch gerne mit dabei, weil meine Ausbildung zur Kleinkindpädagogin, mein Dasein als Mama und mein Job im Gesundheitsbereich genug Neugierde beinhalten, um bei solchen Projekten auf jeden Fall dabei zu sein.

Was genau können wir den an diesem Tag an Programm in Wien erwarten?

Ganz unter dem Motto “Let´s Make Food Revolution Every Single Day” wollen wir dazu anhalten, jeden Tag – und nicht nur einen Speziellen – für gesundheitsbewusste Aktionen zu nutzen.

Eure Aktivitäten rund um den Food Revolution Day finden also nicht nur am 16. Mai statt?

Nein, das Programm geht über zwei Wochen lang. In dieser Zeit findet ein Fotowettbewerb der anderen Art statt. In den zwei Wochen bis zum offiziellen Food Revolution Day, 16. Mai, laden wir alle ein, ein Event, ein Treffen, ein Picknick, eine Schuljause oder Ähnliches bei selbst bei sich, in der Arbeit, in der Natur zu planen und durchzuführen und sich bewusst mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandersetzen. Etwas, das die meisten leider schon lange nicht mehr tun. Dieses Event soll fotografisch dokumentiert werden. Das Thema: gesund, vital, frisch, selbstgekocht … muss natürlich nicht nur roh sein. Das beste Foto soll dann den Weg zu uns via Mail (office@rohgenuss.at) oder via Facebook finden. Unter allen Einsendungen verlosen wir Kochbücher, Geschenkskörbe, DVDs etc.

Kann daran jede(r) teilnehmen oder gibt es bestimmte Voraussetzungen?

Jeder kann teilnehmen, alleine oder in einer Gruppe … Hauptsache wir sehen hübsch dokumentiert, dass man sich zur gesunden Sache Gedanken gemacht hat. Das Ziel beim Food Revolution Day ist ja vor allem, dass Kinder wieder den Umgang mit gesundem Essen und Ernährung lernen.

Warum haben wir l sie es überhaupt verlernt und wie kann man gesunde Ernährung wieder zugänglich machen?

Warum Kinder das gesunde Essen verlernt haben liegt an mehreren Faktoren: Erstens sind oftmals beide Elternteile (wenn beide vorhanden sind) berufstätig und erst spät daheim. Die Zeit für eine gesunde Mahlzeit will man sich nicht mehr nehmen, und Fertigprodukte bekommen ihren großen Auftritt. Auch die erste Mahlzeit nach der Schule ist oft blitzschnell aus der Mikrowelle auf dem Teller. Zum Zweiten wird die Auswahl an Fertigprodukten, welche uns einen hohen Gesundheitsfaktor versprechen (durch Zusatz von Vitamine, wenig Kalorien etc.) immer größer und größer … warum dann noch selber kochen? Ausserdem haben wir verlernt, mit Lebensmitteln zu kochen, die früher gängig waren. Oder wie viele Kinder wissen noch wie eine gut abgemachte rote Rübe schmeckt?
Zugänglich machen kann man das Thema gesunde Ernährung indem man es wieder wie selbstverständlich in den Alltag integriert. Gemeinsames Kochen, gemeinsames Einkaufen und ausführliche Warenkunde müssen wieder auf den Stundenplan und in den Alltag!

Apropos Stundenplan: Rohgenuss hat gemeinsam mit der Wiener Tafel ein Modulsystem entwickelt, das in österreichischen Schulen ab dem Schuljahr 2015/16 zum Einsatz kommen und Kindern wieder zum gesunden Essen bringen soll. Bitte erzähle mir mehr darüber.

Vorrangig werden wir in Wiener Volksschulen unterrichten – aber mit einer Offenheit auch anderen Schultypen gegenüber. Teilnehmen kann jede Volksschule, das Modulsystem ist selbstverständlich ehrenamtlich. Wir bieten die Module Warenkunde, gesunde Ernährung in Theorie und Praxis (dem Alter entsprechend), richtiger Umgang mit Lebensmittel (Lagerung, richtig einkaufen, Restlkochen) und auch Ethik an.

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Vor kurzem war in den Medien vom Schulversuch “Schulfach Essen” zu lesen. Inwiefern überschneidet sich das mit eurem Angebot?

Es überschneidet sich definitiv mit unserer Idee, auch wenn das Schulfach Essen sich etwas mehr mit Anbau beschäftigt. Der Unterschied ist, dass wir extern sind und den Lehrern fürs Erste die Arbeit abnehmen, sie beobachten und annehmen dürfen. Leider zeigt die Erfahrung, dass erzwungene Fächer oft nicht mit der Liebe und Nachhaltigkeit durchgezogen werden, wie sie es verdienet hätten. Wir können als Externe die gewohnten Strukturen vielleicht etwas leichter brechen.

Im Moment handelt es sich ja bei beiden Ansätzen um Versuche an einzelnen Schulen. Wie seht ihr die Bereitschaft und das Interesse, das tatsächlich an allen Schulen in Österreich zu etablieren?

Ich denke dass das Interesse groß sein wird. Die Bereitschaft zur Teilnahme wird sich zeigen. Ich würde mir eine hohe Akzeptanz und Umsetzung wünschen.

Jetzt liest man immer darüber, dass in Schulen gesundes Essen beigebracht werden soll. Auch Jamie Oliver hat eine Petition auf Change.org eingereicht und verlangt verpflichtenden Unterricht im Bereich Kochen und Lebensmitteln für alle Kinder weltweit. Warum scheint das Thema im Moment so zu brennen – warum ist gerade jetzt die richtige Zeit für solche Projekte?

Das Thema brennt schon lange. Die Kinder werden immer dicker, unsportlicher und ungesünder. Die Krankheiten sind schon Alltag und die Leistung sinkt. Ich denke, es hat nun auch die Allgemeinheit verstanden. Es ist Zeit und zwar besser gestern als morgen! Es gilt keine Zeit mehr zu verlieren und umso mehr Projekte jetzt starten, desto besser. So wird die Masse aufmerksam und beginnt sich Gedanken zu machen.

Ist gesunde Ernährung wirklich Aufgabe der Schule bzw. der Lehrer – oder anders gefragt, wie können Eltern mit diesem Thema umgehen?

Nein, selbstverständlich ist die Schule nicht allein für die Ernährungs- und Gesundheitsförderung zuständig. Aber in unserer sehr schnelllebigen Zeit wird die Schule als Erziehungsinstitution immer wichtiger. Der Großteil der Woche wird eben genau da verbracht, und auch die wichtigen Mahlzeiten wie Jause, Mittagessen und oftmals auch Frühstück warden dort eingenommen. Von den Eltern würde ich mir wünschen, dass sie Dinge, die die Kinder mit nach Hause nehmen – wie ein neues Rezept oder das neue Wissen zur richtigen Lagerung im Kühlschrank – auch umgesetzt und nicht als lästig abgetan werden!

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Du bist selbst Mutter: Wie geht ihr zuhause das Thema gesunde Ernährung an? Essen deine Kinder gesund?

Das Thema Ernährung ist natürlich auch berufsbedingt ein Wichtiges und das natürlich auch zu Hause. Wir essen sehr gesund, meine Familie liebt es so und verlangt auch danach. Eine große Gemüsepfanne mit Backkartoffeln ist ein heißbegehrtes Essen. Was jedoch außerhalb des Hauses und mit dem Taschengeld passiert, geht mich nichts an. Ich habe en gutes Gewissen, Wissen vermittelt zu haben … die Umsetzung obliegt jedem selbst. Der hocherhobene Zeigefinger ist tabu!

Und was bedeutet gesunde Ernährung für Kinder überhaupt?

Gesunde Ernährung bedeutet insbesondere Abwechslung und natürlich auch Genuss. Gesunde Ernährung ist ausgewogen und soll auf keinen Fall Verzicht bedeuten. Natürlich sind klassische Lebensmittel gesund, wie zB Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln. Das heißt aber nicht, dass das Kind nie wieder Pizza oder Pommes essen darf. Hier empfiehlt sich die selbstgemachte Variante: Bunt belegt bzw im Backroh fettarm gebacken. Zurück in die Küche lautet die Devise :)

Danke fürs Gespräch! (geführt von Doris Neubauer)

 

Fotos: (c) Jochen Russmann

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